Saarl. Geschichten: 20 Jahre „Jahrhunderthochwasser“

„Land unter“ hieß es am 20.12.1993 im Saarland Saarl. Geschichten

Von: Brandon u. Michael Posse

Weihnachten 1993 ist vielen Saarländern noch eine lebhaft Erinnerung. Statt feierliches beisammen sein und Geschenke auspacken, schleppten sie Sandsäcke und schöpften eimerweise Wasser aus Kellern und Erdgeschossen.

Das Weihnachtshochwasser ist seit 1947 bis heute die größte Hochwasserkatastrophe im Saarland gewesen.

Grau und regnerisch war es am vierte Adventswochenende 1993 gewesen und die Wassermassen ließen die Pegelstände der Flüsse und Bäche schnell und bedrohlich ansteigen. Ein Niederschlag eines Monates fiel in den innerhalb 36 Stunden und ein Wind mit Stärke 10 blies über das ganze Saarland. Ab Montagabends den 20.12.93 wurde es Kritisch. Ganze Straßen wurden im ganzen Saarland überschwemmt und mussten gesperrt werden, hunderte Keller wurden überflutet als auch das Strom- und Telefonnetze waren tagelang zum Ausfall gekommen.

St. Johanner Markt stand unter Wasser

Die Saar in Saarbrücken hatte einen Rekordpegel von über neun Metern. Die Stadtautobahn musste komplett gesperrt werden weil die Saar über die Ufer trat. Der Bus-verkehr musste eingestellt werden, weil der öffentliche Nahverkehr angesichts der nicht befahrbaren Straßen zusammenbrach. Gut zu tun hatten die Abschleppdienste weil Sie parkende Autos vor den Wassermassen retteten. Auf dem St. Johanner Markt sollten um diese Zeit eigentlich Weihnachtsmarktbesucher Glühwein trinken und Würstchen essen. Doch man konnte die geschlossenen Verkaufsbuden nur in Gummistiefeln erreichen.

Die saarländischen Abgeordneten wurden vom dienst freigestellt. Im Landtag waren die Toiletten unbenutzbar und Heizungen sind ausgefallen. Auch im Staatstheater als auch in der Modernen Galerie kehrte der Notstand ein. Museumsmitarbeiter vom Hausmeister aus bis zum Direktor retteten gemeinsam wertvolle Gemälde und Skulpturen aus dem gefährdeten Museumsdepot.

An manchen Orten ist die Situation sogar so extrem gewesen, dass teils Anwohner evakuiert werden mussten, wie zum Beispiel in Luisenthal. Im Lebacher Rathaus stand sogar das Wasser im Keller bis zur Decke.

Blieskasteler Innenstadt war nur mit dem Schlauchboot befahrbar

Besonders schwer traff es die Blieskasteler Bürger. Die Blieswiesen waren  innerhalb von wenigen Tagen zu einer imposanten Seenlandschaft geworden. Montagabends um 22.00 Uhr spitzte sich in Bliekastel die Lage zu: Die Blies überschritt die kritische Drei-Meter-Marke, sodass die Wassermassen in die Blieskasteler Altstadt flossen. Die historische Innenstadt war die nächsten Tage nur noch mit dem  Schlauchboot befahrbar.

Welches Unheil das Hochwasser verursachte zeigte sich erst als die Wassermassen wieder einen Tag vor Heiligabend wieder weiter in Richtung Rhein und Mosel zogen. Verschlammte Straßen, verwüstete Keller und erschöpfte Saarländer. Über 4.400 Helfer von THW, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst waren in diesen Tagen vor und nach Weihnachten  im Dauereinsatz. Der Schaden der Katastrophe wurde allein in Saarbrücken auf ungefähr 50 Millionen DM geschätzt.

Land unter hieß es auch im Wiebelskircher Dorf

Auch die Bewohnen von Wiebelskirchen traf es schwer so wie der Nachbarort Hangard. Die sonst so kleinen Flüsse Blies und Oster, die durch die Ortsmitte von Wiebelskirchen fließen, traten über ihre Ufer Bei dem Höchststand von über sechs Meter wurden viele Straßenzüge und die Ortsmitte überschwemmt. Viele Keller, Wohnungen, Geschäfte auch die Feuerwehr wurden Opfer der Flut. Die Feuerwehr Wiebelskirchen musste bis zum Ende des Hochwassereinsatzes das Gerätehaus evakuiert und eine provisorische Feuerwache im Evangelischen Gemeindehaus einrichten. Das Dorf war einige Tage nur mit dem Schlauchboot befahrbar. Einsatzkräfte von anderen Stadtteilen und Gemeinden waren in Wiebelskirchen eingesetzt worden. Verschlammte Straßen und verwüstete Keller blieben in Wiebelskirchen zurück.

Bilder von Saarbrücken
Bild von Wiebelskirchen